Bianca Turbanski

Alien Dada

© 1999

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Milliarden Jahre hinter dem linken Ohr... Der Tee fiel in der Dunkelheit auseinander, die Tasse hatte ein Loch. Ich brach durch das Loch in die Welt hinter den Sternen und hinter den Stirnen, in die Welt hinter die Gedanken, keiner konnte sie hören, keiner wollte sie hören, nicht einmal ich; aber sie vernahmen mich und nahmen mich mit, ich wunderte mich sehr über die Ballfetzen in meinem Ohr, ich wunderte mich durchaus sehr. Und aß Gemüse, welches mich in sich hineinsaugte, denn ich war das kosmische Tier in der Zusammensetzung aus Senf. Ich. Glaubts. Ich bin beherzt und lauere auf die Tropfen aus Eis. Ich leuchte aus allen Poren. Licht tropft in den Ausfluß, kaum hörbar in dieser Welt der Katzenköpfe. Warum? Warum? Wer fragt immer wieder: warum? Wer explodiert zu funkelnden Sternen? Wer erfreut die Kinder mit seinen Luftballons? Einmal knallen sie nur. Wer verzehrt die Nase des Schneemanns im Winter? Wer verblüfft die Rehe mit Torten aus Heu? Ich glaube nicht an die Salpetersäure in meinen Adern, die trommelt und welkt. Ich glaube nicht an die Summe des Absolutum, die Summe aus rechts und oben, die Summe aus dem Sud der Teeblätter im heißen Wasser, die Summe aus Dampf. Ich glaube nicht daran und zahle die Steuer wieder mit für die anderen in mir, die, die unter der Haut davonrennen, Gummiblasen über ovalen Hemden, sie schweben in den Himmel und tragen meine Maske zum Schmied. Ich streiche sie durch, die lächelnden Buchstaben, sie verzehren mich, ich falle aus der Rechnung, die der Ober bringt. Zu bezahlen in der üblichen Be–Währung, in der unberechenbaren Weisheit des Blödsinns, der auch aus diesen Zeilen spricht. Ich schreibe deutsch. Land aus den Scherben der Zeit. Und gewähre mir den Luxus im Schatten des Papiers. Gewähre mir den Luxus des Hungers auf mehr und mehr. Ich esse, esse ohne satt zu werden, die Speisen aus Gras, die Speisen aus Heu, alle diese Speisen aus Holz, der Urne Welt. Stülpe mich über mich und lache und verdaue. Das ist alles, was ich kann, lache, lache, kopiere das Lachen, werden taub vom Echo vom Lachen, aus Spaß aus Spaß vom Echo aus Spaß aus Spaß vom Echo vom Echo vom Lachen vom blödsinnigen Echo beim Verdauen im Haushaltsquadrat.
Lauwarm tropfte ich aus dem Hahn und sah ihn über mir. Ich wurde Dampf, als ich den Boden berührte. Ich wurde Dampf und stieß die Räder über die Schienen, welche vor mir verblaßten im Nebel der Parallelwelt. Blaß blickte ich aus dem Spiegel, mein Auge in der Mitte der Stirn. Irgendwo heulte ein Düsenjäger, der einen Maikäfer überfahren hatte. So ist das im Osten, sprach die Kerze vor dem Fernseher und leuchtete im Bildschirm. So  ist das im Osten, sprach die dumme Kerze vor dem Fernseher und tropfte aus meinem Ohr. Das Wachs erstarrte irgendwo zwischen Unterhemd und Erdball. Es duftete nach Orient und Eisbergen. Wohin gehe ich zwischen diesen Gletschern aus Haß? Das Feuer brannte hinter den Ohren. Solange die Kerze reichte, das war zwischen Mittag und vorgestern. Als ich schließlich verhungerte, und ich lag auf einer Wiese mit Gänseblümchen, deren Parabolspiegel den Himmel verbrannten. Ich heulte auf vor Schmerz, aber eine Brontonelle rettete mich, ich heulte auf vor Begeisterung, die Brontonelle verschwand. Ich tropfte aus der Wasserleitung und floß in das Becken, glitt vom Rand des Beckens in den Ausfluß, wobei ich verdunstete oder klebenblieb an der Marmelade, deren Glas zerbrochen war. Was war ich bloß für eine Lebensform. Wo waren die Scherben des Glases aus Marmelade. Ich suchte sie in mir. Sie riefen in der Sprache des Sirups. Sie riefen sehr laut, meine Beine waren verborgen geblieben. Ich lief also auf den Händen weiter, war nicht leicht, so zu laufen, bis die Bratpfanne platzte und einen Eierkuchen gebar. Es war der erste Eierkuchen im Knopfloch eines Architekten auf dieser Scheinwelt und er schmeckte zu süß. Das Paradies war verbraucht und ich floh auf die Erde, klammerte mich fest am Rande des Eierkuchens, dessen Zustand mir verborgen blieb, als sei es zu spät. Es war... Ich tauschte die Verben aus, schneller und schneller, wo immer ich sie zu finden versuchte, tauschte sie aus, war klein, nicht genügend klein für das alles.
 



Post an Bernd: Hutschi@aol.com (oder Bernd.Hutschenreuther@sz-online.de)

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