Das neue Labyrinth hat keinen Anfang und kein Ende. Man gelangt in dieses
Labyrinth bei seiner Geburt.
Ich bin drin und eilte schon viele Wege, aber der Faden von Ariadne
ist lange schon zu Ende und alle Wege sind gleich.
Man gelangt in dieses Labyrinth bei seiner Geburt. Irgendwo wartet
da jemand auf mich. Irgendwo wartet da etwas auf mich, eine Erfahrung,
ein Gefühl, ein Rachen, weit aufgetan, denn ich soll hinein. Aber
ich meide den Rachen –– den Rachen, angepriesen auf den vielen Plakaten,
überall, allgegenwärtig, in den Gängen des Labyrinths wartet
er auf mich. Aber ich meide den Rachen.
Am Anfang meiner Wanderung leckte ich Milch von den Wänden, wohlschmeckende
Milch, dabei gelangten meine Hände auf Schaltflächen, ich erschrak.
Aber ich war noch klein und unerfahren und die Wand lehrte mich das Sprechen
und ich sprach und der Wert meines Fleisches besserte sich, aber ich will
nicht in den Rachen, ich will nicht.
Heute schreie ich meine Angst nicht mehr, ich gehe durch das Labyrinth
und keiner der Gänge wiederholt sich je, nie gelange ich an einen
Ort, wo ich schon war. Der Rachen wartet, aber ich bin nicht sicher, was
will er von mir, der Rachen wartet.
Die Gänge des Labyrinths haben verschiedene Höhe, einige
Mauern könnte ich leicht überschreiten, aber eine innere Stimme
rät mir davon ab, sobald ich solch eine Stelle erreiche – und ich
gehorche ihr. Die innere Stimme warnt und ich dringe weiter ein in das
Labyrinth, vielleicht ist da doch irgend etwas, ein Ausgang, oder eine
Falle, nur nicht hinein in den Rachen.
Ich zittere, wenn ich den sehe, in Gedanken, nur in Gedanken.
Und weiß nur, die stimmen nicht überein mit der Wirklichkeit.
Die Wände weichen nicht zurück und die Gänge werden
länger. Ich drücke auf die Schaltfläche und möchte
aus dem Schacht, aber der Weg nach draußen ist unbekannt, und
die Stimme im Gang sagt wieder und wieder: Ein Draußen gibt es nicht.
Manchmal spürte ich den Rachen schon ganz in der Nähe, meine
Haare sträubten sich und zitternd rannte ich irgendwohin. Oder ich
ignorierte die Nähe des Rachens, blieb stehen oder lief weiter, einen
anderen Gang nutzend. Manchmal kamen Stille oder Dunkelheit außerhalb
der Zeiten oder Wasser tropfte von der Decke des Labyrinths und ich fühlte
den Schmutz von meiner Haut schwinden, mein Fleisch wurde besser.
Oder ich rannte, gehetzt von durchdringendem Geheul, durch einen anderen
Gang, ich rannte, bis ich zusammenbrach, lag dann da und wartete auf das
Ende. Aber es kam nicht, so erwachte ich wieder und mein Fleisch wurde
besser.
Ich fühlte mich eingesperrt in einen endlosen Kerker und wollte
hinaus. Ich ignorierte die Schaltflächen und aß und trank nichts,
ich lag da unter einem Vorsprungin der Wand des Labyrinths, einer Art Dach,
lag da und schlief endlich ein.
Im Traum stand ich auf und holte mir die beste Nahrung von der Wand
und wurde zufrieden. Doch ich wollte keine Zufriedenheit und versuchte,
endlich zu erwachen. Aber es gelang mir nicht: ich schlief weiter.
Eine Zunge leckte über meine Stirn und ich fühlte mich erfrischt.
Und mein Fleisch wurde besser.