
Der Stanislaw-Lem-Klub
Dresden
Poesie und Programme -- Entwicklung, Dokumentation und Fäden von
Hutschi@aol.com
Aus dem Vorwort zu TERRAsse, Heft 10
Im Juni 1969, wurde ein Klub gegründet, dessen Wirken heute, viele
Jahre nach seiner Auflösung, bereits Legende ist: der "Stanislaw-Lem-Klub".
Dieser Klub befaßte sich mit der "wissenschaftlichen Phantastik"
oder auch "utopischen" Literatur (so wurde Science Fiction bekanntlich
in der DDR genannt) und hatte bald zahlreiche Anhänger und Mitglieder.
Der Klub richtete eine eigene Bibliothek ein, stellte Anthologien mit eigenen
Üersetzungen bis dahin in der DDR unveröffentlichter Werke
(z.B. "Adam und Eva", "Bericht über den dritten Planeten") und mit
von Klubmitgliedern verfaßten Erzählungen zusammen, es gab zahlreiche
interressante und gut besuchte Klubveranstaltungen.
Der Klub war unter den Freunden der Science Fiction und darüber
hinaus weithin bekannt. Und doch würde wohl heute niemand mehr ihn
nachdenken, wenn er wie viele andere Klubs nach einer gewissen Lebenszeit
eines "natürlichen Todes" gestorben wäre. Doch wurde seine Existenz
auf dem Höhepunkt aus politischen Gründen jäh unterbrochen
(ein späterer Wiederbelebungsversuch mißlang); mehrere
ehemalige SLK-Mitglieder tauchten wenige Jahre später in der professionellen
SF-Szene der DDR auf, und mindestens zwei - Rolf Krohn und Erik Simon -
behaupteten sich dort bis zum Ende der DDR.
Heute - wir haben eine Wende hinter uns - blühen die Landschaften.
In den Buchhandlungen gibt es jede Menge SF, vor allem amerikanische. Man
kommt nicht mehr mit Lesen nach, es fehlt die Zeitmaschine mit Zeitschleifenbildung.
Die SF-Autoren der DDR beschäftigen sich heute mit Programmierung
oder mit Futorologie, oder sie sind im Ruhestand, oder sie erschießen
sich - es gibt sogar noch einige Neuerscheinungen von SF-Büchern.
Vom Stanislaw-Lem-KIub nutzen wir Bildmaterial und drei im SLK entstandene
Erzählungen, die in TERRAsse erstmals in gedruckter Form veröffentlicht
werden. Eine davon, "Xirx" von Christine Tauben, belegte 1971
den zweiten Platz im 2. SLK-Amateurwettbewerb; die beiden anderen - von
Rolf Krohn und Heinrich & Simon - entstanden 1972. (Die für diese
Publikation geringfügig überarbeitete Geschichte "Hydra" hieß
ursprünglich "Die simplen Ursachen".) Außerdem enthält
TERRAsse 10 einen Überblick über die Geschichte des Klubs, verfaßt
von drei früheren Mitgliedern; beigelegt ist dem Heft eine tabellarische
Chronik des SLK. (Weitere Einzelheiten insbesondere zur "Lem-Klub-Affäre"
1972/73 finden sich übrigens in einem Artikel Erik Simons, der 1990
im Berliner Fanzine "Mauersegler Eins" erschien.)
Die nächste speziell dem SLK gewidmete Ausgabe der TERRAsse wird
voraussichtlich zum 50. Jubiläum erscheinen.
(Veröffentlicht in TERRAsse, Heft 10, ISSN 0942-1793)
Post an Bernd: Hutschi@aol.com(oder
Bernd.Hutschenreuther@sz-online.de)
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